SCHWULE, LA LEGUA, COLONIA DIGNIDAD UND MEDITATION



Bild von Katharina Albrecht

 

 

Es ist kaum möglich alle neuen Eindrücke wiederzugeben. Vor allem da es nun bereits kurz vor ein Uhr nachts ist. Ich versuche es trotzdem aus Angst morgen schon alles vergessen zu haben und die Erlebnisse durch neue Eindrücke überlagert werden könnten.

(Im Hintergrund Techno in der Hostel-Lobby)

Gestern Nacht habe ich mich mit dem Schamanen Juan getroffen. Mehr schlecht als recht haben wir uns in gebrochenem Englisch und Spanisch über das seelische Gleichgewicht im Körper unterhalten und uns für Freitag abend nocheinmal verabredet.

Anschließend bin ich mit einigen meiner Mitstreiter in einen Schwulenclub gefahren. Dort habe ich mich sofort recht wohl gefühlt. Wir wurden zwar etwas argwöhnisch beäugt (vier Mädels und ein Junge- immerhin) aber ich hatte nicht den Eindruck das wir komplett unerwünscht waren. Bekannte Diskohits liefen im Tanzraum im Techno-Style auf spanisch, Madonna-Videos und süße Kerle am Strand flimmerten über den Bildschirm. Wir standen am Rand und haben das Treiben so unauffällig wie möglich beobachet. Gegen zwei Uhr ging die große Show loß: Travestie und Striptesee. Nur soviel: Sehr professienelle Darbietung und gekonntes Spiel mit dem Publikum seitens der beiden "Damen" und überraschend tiefe und vor allem große Einblicke in die körperlichen Besonderheiten des druchtrainierten Strippers. Freude beim Publikum und am Ende ein eiliger Aufbruch unsererseits, nachdem unser männlicher Kollge sich gegen zunehmend aufdringliche Anfragen zur Wehr setzen musste.

Heute: Besuch im Stadtteil La Legua, ein sozialer Brennpunkt vor dem uns im Vorfeld vor allem Leute gewarnt haben, die nach eigener Auskunft dort niemals hingehen. Wie unberechtigt und falsch die Sorgen waren, zeigt esich rasch. Wir wurden so warm und herzlich empfangen, dass ich für meinen Teil an manchen Programmpunkten mit  Tränen der Rührung zu kämpfen hatte. Zuerst wurde uns eine Schule mit Kindergarten gezeigt. Die Schule ist für Jugendliche, die aufgrund von Straftaten an keiner anderen Schule mehr akzeptiert werden. Die Jungs waren von unserem Aufgebot an hüschen Blonden Mädls wohl am meisten beeindruckt. Im Alter zwischen 15 und 17 -geschenkt.

mauer1: Die Schule Galeta in La Legua - dem gefährlichsten Stadtteil Santiagosmauer1: Die Schule Galeta in La Legua - dem gefährlichsten Stadtteil Santiagos

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Die gut durchdachte und vermutlich genau geplante Führung durch den Stadtbezirk mit seinen diversen sozialen Einrichtungen führte uns dann über den Markt, vobei an bunten Ständen mit Obst, Gemüse, Fisch und Klamotten.

In einer Einrichtung für Behinderte haben wir eine Show sondersgleichen geboten bekommen. Es wurde getanzt, gesungen, umarmt und geklatscht - auf allen Seiten.

tanz: Vorbereitungen zum Unabhängigkeitstag am 11. September - Tanztanz: Vorbereitungen zum Unabhängigkeitstag am 11. September - Tanz

Anschließend ging es zum Radiosender La Legua, wo wir in einem winzigen Studio unter dem Dach live interviewt und über unsere ersten Eindrücke befragt wurden. Zu diesem Zeitpunkt glühte einer unserer wunderbaren Übersetzerinnen Liliana bereits der Kopf.

Auch Fernsehen machen sie in La Legua: sogar ein Pornofilm wird einmal monatlich  mit Billigung der örtlichen Kirche ausgestrahlt. 

Beim Abstecher zum Salvador Allende Platz und dem Ort an dem sich damals der Widerstand formierte, hatten unsere Übersetzerinnen einiges zu tun.

Höhepunkt der Führung war der Besuch in der neu renovierten Schule, die ende des Monats eröffnet werden soll. Ehrgeiziges Ziel ist es, dort neben dem Unterricht auch Workshops, Theater, Naturheilkunde, Rentnertreffpunkt, Kindergarten und die Liste nahm kein ende anzubieten. Finaziert wurde das ganze nach langem Hin und Her vom Staat. Im "Schatzkästchen", dem nagelneuen Theatersaal, wurden wir dann verköstigt und haben und mit gegenseitigen Emotionlen Reden gegenseitig versichert wie toll wir unser treffen fanden. Am Ende: Fotos und und Verabredungen zu weiteren Terminen.

Wir werden uns also wieder sehen, dann dazu mehr und den Machern.Lulo: Multitasker LuloLulo: Multitasker Lulo

Nachdem auch noch die Sonne zum ersten mal seit unserer Ankunft rauskam und sich in der Ferne das Andenpanorama vorsichtig - fast schon schüchtern - blicken ließ, stieg die Laune in der Gruppe schlagartig. Wir waren dem Charm von La Legua erlegen, nichts hätte darn noch etwas ändern können - jetzt hätten sie uns auch rugig ausrauben können!

Völlig beschwingt, mit einem debilen Lächeln im Gesicht fuhr ich zurück ins Hostel von wo aus wir kurze Zeit später zu einem Filmabend in einer kleinen Kirche im Nord-Osten der Stadt aufbrachen. Auf dem Programm der deutschen Gemeinde: eine Doku über Opfer und Täter der Colonia Dignidad. Der Pfarrer der Gemeinde ist psychologischer Betreuer der Menschen, die nach wie vor unter den Folgen der Entmenschlichung zu leiden haben. Sehr interessant. Andere aus der Gruppe besuchen diese Leute vor Ort selbst. Ihre Eindrücke könnt ihr dann sicher hier nachlesen.

Ausblick: Morgen nach dem Besuch der Friedrich-Ebert-Stiftung werde ich abends zu einer psychenergethischen Meditation des oben erwähnten Schamanen Juan gehen. Ich bin gespannt was mich dort erwartet. Zumindest muss man bei einer Meditation nicht so viel Spanisch sprechen.

Diese Darstellung ist mehr eine Aufzählung, aber zu mehr bin ich gerade nicht mehr in der Lage. So wisst Ihr aber wenigsten was passiert ist. Die kleinen wunderschönen Details kann ich auch mündlich nachliefern.

¡Buena Noche!

 

 

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