¡TANTAS COSAS!



Bild von Katharina Albrecht

 

 

So viel ist passiert seit meinem letzten Eintrag und schon wieder komme ich erst mitten in der Nacht dazu, das Defizit aufzuholen. Zum Teil hängt das auch damit zusammen, dass der Schlüssel zu meinem Schrank im Hostel für anderthalb Tage verschollen war. In dem Schrank war mein Notebook eingeschlossen. Glücklicherweise hat eine der Putzfrauen meinen Schlüssel wiedergefunden, nachdem Olaf und Jens sich am Abend zuvor bereits heroisch - wenn auch vergeblich - als Panzerknacker versucht haben.

Danke nochmal für diesen Einsatz!

Was ist nun also passiert?

Auf Wunsch und weil angekündigt erstmal die Meditation am Freitag abend:

Anita und ich sind zur Station Escuela Militár gefahren und haben dort nach kurzer Suche tatsächlich das Gebäude gefunden in dem die "psychoenergetische Meditation" (so der Titel den der Schmane Juan zuvor angekündigt hatte) stattfinden sollte. Das kalte und alles andere als mystisch wirkende Hochhaus in das wir dann eintraten ließ zunächst nichts Übersinnliches vermuten. Doch schon als sich die Fahrstuhltür im 3. Stock öffnete stieg uns der Duft von Räucherstäbchen in die Nase. Wir waren also richtig. Juan empfing uns an der Tür und wir betraten eine fast vollkommen leere Einraumwohnung, die extra für die Meditation angemietet worden war. Außer uns Dreien war zunächst nur ein anderer Teilnehmer da - wir waren ganz Deutsch - natürlich pünktlich. Doch schon kurze Zeit später füllte sich der kleine Raum mit den weißen Wänden nach und nach mit bunten Leuten und eine gemütliche Athmosphere entstand, als wir uns alle auf Decken und Kissen im Kreis aus dem Boden niederließen.

Juan begann damit, sich jeden vorstellen zu lassen und seine Erwartungen an die Meditation zu formulieren. Dann gab er selbst eine wortreiche Einführung in seine Philosophie der Stille, die ausgesprochen undogmatisch und frei ist. Leider konnte ich nicht alle Details verstehen aber es enstand eine angeregte Disskussion über Iconen unserer Zeit und die Frage nach dem was wirklich wichtig ist.

Anschließend leitete Juan einige Übrungen an, wie zum Beispiel das Atmen und kleinere gymnastische Verrenkungen wie man sie auch aus dem Yoga kennt. Die Zusammenstellung hatte er aber selbst erfunden, wie er uns später erzählte. Knie an Knie saßen wir also im Schneidersitz und atmeten erwartungsfroh vor uns hin. Es war inzwischen recht eng geworden, da noch eine Nachzügler gekommen waren. Zu diesem Zeitpunkt spürte ich bereits eine gewisse Entspannung, die nach einer Woche Chile dankbar von meinem Körper angenommen wurde.

Nachdem wir uns alle in Stimmung gebracht hatten und bereits mindestens eine Stunde vergangen war, ging es endlich zur eigentlichen Meditation. Neun Minuten in Stille und Dunkelheit sitzen! Und es fühlte sich großartig an. Mir wurde klar worum meine Gedanken im Moment in der Hauptsache kreisen. Werde ich meine Interviewtermine bekommen? Wie denken die anderen aus der Gruppe über bestimmte Situationen, die wir erlebt haben? Hab ich mich da und dort richtig verhalten, hätte ich nicht lieber doch...Ach! Und dann: Aha! Darüber denke ich also nach. Interessant. Warum beschäftigt mich das so? Doof da sitze ich hier und meditiere und denke nur über lauter potentielle und vergangene Probleme nach. Jetzt will ich aber mal an was Schönes denken...an gar nichts? Nein das schaff ich nicht. Wann wohl die neun Minuten um sind? Ob jemand heimlich die Augen aufmacht?

Langsam kam ich wenigsten etwas im Hier und Jetzt an, wo wir laut Juan sowieso immer sind und es bloß nicht merken. Und dann waren die neun Minuten  tatsächlich schon wieder vorbei. Schade! Lockern, atmen, höflich und verschlafen die anderen anlächeln.

Zum Ende erklärte Juan dann, dass er keinen festen Preis nimmt aber für die Miete der kleinen Wohnung schon ein wenig was bräuchte, dass aber jeder nur soviel geben müsse, wie er eben entbehren könne. In der Ecke Stand eine kleine Schale auf einem Beistelltisch, in der jeder im Gehen einen Schein hinterlassen konnte.

Gut! Und dann sind wir zusammen noch was essen gegangen. In einem recht teuren aber tytisch chilenischen Restaurant aßen wir Chocle und mariscos (Muscheln) während fast die ganze Zeit ein Sänger mit Gitarre chilenische Volkslieder schmetterte.

Ein schöner und doch etwas merkwürdiger Abend in Santiago ging zu ende.

 

to be continued...

 

 

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